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August 17, 2009

Von friedliebenden Menschen und flackernden Monitoren

Dieser Tage hatte ich einen erhellenden Dialog mit der Engländerin, der das Nachbarhaus gehört, von dem aus mich der belgische Nachbar mit elektronischen Waffen foltert. Die Dame arbeitet als britische Entwicklungshelferin im Auftrag ihres Landes in Bangladesh und kommt alle paar Jahre mal nach Bolivien auf Urlaub. Ihren Mieter kennt sie nach eigenem Bekunden schon seit vielen Jahren. Nun habe ich die Gelegenheit genutzt, ihr eine umfangreiche Dokumentation zu übergeben, um sie über die Tatbestände des Verbrechens zu informieren, das mit der Unterstützung und Billigung aller übrigen Miteigentümer seit über 2 Jahren gemeinschaftlich gegen mich begangen wird. Während mir die anderen Mitbewohner bislang nur erklärt haben, daß ich spinne, hält die englische Miteigentümerin die von mir vorgebrachten Beweise für glaubhaft. Trotzdem werde sie nichts dagegen unternehmen, sagte sie mir aber sogleich rundheraus. Sie sei eine friedliebende Person. Eine eigene Verantwortung bestritt sie energisch – weder die Tatsache, daß das Reglamento Interno alle Mitbewohner zum friedlichen Zusammenleben verpflichtet, noch der Tatbestand, daß der Terror von ihrem Haus ausgeht, könnten ihrer Auffassung nach ein Grund dafür sein, von ihrer wohlwollenden und wissenden Duldung abzurücken.
Bei der Gelegenheit hat sie mir mitgeteilt, daß die deutsche Nachbarin einen Teil ihres Grundstücksanteils an ihre Tochter verkauft habe. Da es sich um Gemeinschaftseigentum handelt, müssen in einem solchen Fall aber alle Miteigentümer zustimmen. Man hat mich also hintergangen und wollte mit der Eintragung ins Grundbuchregister vollendete Tatsachen schaffen, bevor ich von dem Deal erfahre. Dummerweise verweigert das Grundbuchamt aber die Eintragung, da die Stadtverwaltung eine umfassende Erschließung des gesamten Einzugsbereichs vorbereitet. Deswegen soll ich einer Änderung des rechtlichen Status der Eigentümergemeinschaft zustimmen, und das geht nicht ohne meine Unterschrift. Offenkundig war sie von den anderen Miteigentümern geschickt worden, um mich hierfür zu gewinnen. Als ich ihr darauf antwortete, daß, wenn ich so wenig Solidarität von ihr und der Gemeinschaft entgegengebracht bekomme, sie dann auch auf meine Kooperation bei ihren Interessen verzichten müssen, antwortete sie mir empört, sie lasse sich nicht erpressen.

Der Überraschungs-Coup war als freundliche Einladung zu ihrer Terroristen-Party eingefädelt gewesen, die die friedliebende Engländerin gestern gegeben hat. Zu den geladenen Gästen gehörte auch der belgische Nachbar mit seiner Familie, der mich seit über 2 Jahren bis aufs Blut foltert. Als ich zunächst dankend abgelehnte, ohne zu wissen, daß es sich bei der Einladung um ein trojanisches Pferd handelt, konnte sie gut verstehen, daß ich nicht an einem Fest gemeinsam mit solchen Gästen teilnehmen möchte. Trotzdem hat sie dann aber einen ihrer Festbesucher beauftragt, mir einen Teller mit den Resten von dem vorbeizubringen, was die Gäste übriggelassen hatten. Die milde Gabe wurde mir mit den Worten angepriesen, das Futter sei „vegetarisch“; d. h. das Fleisch war bereits von anderen Leuten aufgegessen worden. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Alles Gutmenschen! In der retrospektiven Betrachtung des Nationalsozialismus im Dritten Reichs nennt man solche Leute Mittäter.

Anfang der vergangenen Woche war mal wieder ein Techniker der regionalen Telefongesellschaft mit Montagewagen vorgefahren, den ich neugierig in Augenschein nahm. Diesen Umstand nutzte der Service-Mitarbeiter, um mich zu fragen, wo die Frau Dr. Tierärztin, die den Auftrag erteilt hatte, wohnt. Dann arbeitete er eine gute halbe Stunde im Nachbarhaus an der Besendungsanlage, mit der ich gefoltert werde. Seitdem kommt die Strahlung mit noch größerer Heftigkeit herüber.

Vor zwei Tagen flackerte mein Bildschirm plötzlich und ohne ersichtlichen Grund, als ich den Computer hochfuhr. Dieses Geflacker nervt kolossal, was wohl auch der Zweck der Übung ist, aber zunächst gab ich nicht viel drauf. Als ich am nächsten Tag den anderen Computer gebootet habe und das Geflacker auch in diesem Fall auftrat, musste ich annehmen, daß die Ursache beim Monitor zu suchen ist. Nun haben die Perps mit dem ja schon oft ihr Spiel getrieben, aber es war nicht klar, ob die Ursache ein Defekt ist, z. B. ein Wackelkontakt, oder ob die Störung mit Peilstrahlung getriggert wurde. Also habe ich den Bildschirm zunächst mal abgehängt und wieder den alten benutzt. Heute habe ich dann mit meinem alten Laptop ausprobiert, ob der Monitor auch flackert, wenn ich ihn damit betreibe. Und siehe da – er hat nicht mehr geflackert. Also hatten die Typen es darauf angelegt, mir einen technischen Defekt vorzugaukeln, damit ich das Gerät zum Kundendienst schleppe und mich dort blamiere. Ein paar Stunden meiner Zeit wollten sie mir zusätzlich damit stehlen.
Als ich dann vorhin den Monitor auf TV-Betrieb umgeschaltet habe, hatte ich mit einem Mal keinen Empfang mehr. Ich überprüfte, ob das Antennenkabel richtig angeschlossen ist, und kam dabei zufällig mit der Hand an die Buchse der Antennenanschluß-Dose. Dabei bekam ich eine gewischt, was eigentlich absurd ist, denn die Antenne ist nicht ans Stromnetz angeschlossen, sondern besteht nur aus einer metallischen Konstruktion, die auf einem Mast im Garten steht und mit einem Kabel ins Haus verbunden ist. Ganz offenkundig haben die Perps da also mit ihrem Piratensender eine Peilstrahlung draufgesetzt, um so den Empfang zu blockieren. Das überprüfte ich, indem ich probeweise die Zimmerantenne anschlossen habe. Damit hatte ich Empfang, wenn auch schlechten, was eindeutig beweist, daß das TV-Empfangs-Modul im Monitor in Ordnung ist. Allerdings liefen mal wieder interessante Streifenmuster über den Bildschirm, die offenbar die Störsignale des Piratensenders abbilden. Und im PC-Modus hat der Monitor nun wieder das Zipperlein.
Schätzungsweise fahren meine Nachbarn verstärkt Versuche – der Laborverwalter arbeitet gerade in Spätschicht, und der Belgier hat heute Folterurlaub genommen. Vielleicht macht er aber auch bloß blau, weil sein Autoreifen platt ist. Jedenfalls hat er den vorhin abmontiert und per Taxi in die Werkstatt geschickt.

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